Warten auf’s Christkind
Das Warten ist leider nicht mehr so aufregend, wie es einmal als junger Mensch gewesen ist. Was früher wichtig gewesen ist, ist es heute nicht mehr. Was geblieben ist, hat sich an einem einzigen Weihnachtsfest manifestiert und ist in einem grünlichem Nebel eingetaucht. Lag als Kleinkind der Reiz der Weihnacht darin, dass man zum einen länger aufbleiben durfte als normal und spielen konnte mit nagelneuem Spielzeug, suche ich heute jede Weihnacht vergeblich nach genau diesem Gefühl des Glücks, wie ich es als Kind jede Weihnacht hatte. Geblieben ist die Tradition wie Weihnachten abzulaufen hat, auch wenn ich als Weihnachtstyrann vielleicht die Familie schikaniere, aber Weihnachten hat eben genau so aubzulaufen, wie es von jeher immer war; geboren in dem Aberglauben, dass das ausbleibende Gefühl sich nur dann wieder aufspüren liesse, was einst hinter grünen Nebel verlorengegangen ist: Treffen gegen frühen Nachmittag, Kaffee und Kuchen, Spazieren, zu Opa auf den Friedhof (eigentlich eine spätere Tradition), Kartoffelsalat und Würstchen, wahlweise Fisch, Bescherung, anschliessendes gemütliches Beisammensein.
Trugschluss - ich finde es nicht. Ich finde immer nur andere Dinge. Beispielsweise den Abend vor dem Heiligen Abend, der fast schon heiliger ist, weil der Trubel auf der Strasse mit einem Mal verebbt und es tatsächlich ruhiger wird. Die Welt schläft ein. Für ein paar Tage. Und neuerdings die obligatorische Kerze vor dem Heiligen Abend zwischen den Zweigen der Tanne in den Blumenkästen - Traditionsupdate eben - für weisse Weihnachten. Dieses Jahr sieht es damit ganz schlecht aus. Hab eh keine weisse Kerze dieses Jahr. Dieses Jahr auch neu: Ich mache den alljährlichen Kartoffelsalat der Familie. Meine Mutter hat seit Rentenbeginn weniger Zeit als vorher. Deswegen greife ich ihr dieses Jahr unter die Arme und bereite den Salat vor - wenn ich mich schon auf Kartoffelsalat versteife, denn eigentlich wollte meine Mutter in diesem Jahr alles anders machen. Geht aber nicht. Habe ich mich gewehrt.
Im Updatepackage sind eine Menge neue Dinge enthalten, die ich mir zu Weihnachten hinzuaddiert habe: Der lange TV-Abend am 23. Dezember, wo endlich mal “gescheite” Filme im Fernsehen gezeigt werden. In die Programmzeitschrift habe ich aber noch nicht gesehen, Aberglauben! Den hinreissenden Film muss ich per Zufall finden (hoffe nur, das Rieke ihn dann auch sehen will). Alles schöne neue Dinge, die Weihnachten im Servicepack auch sehr angenehm gestalten und mich jedes Jahr erneut darauf freuen lassen aber dieses Weihnachten als Kind bleibt hinter einem grünlichen Schleier verborgen. Vielleicht grün, weil es eine der wenigen Weihnachten ist, an die ich mich als Kleinkind erinnern kann. Ich bekam eine Holzeisenbahn geschenkt, und die Holzschienen, -wagen und -häuser waren in einer grünen Plastikverschalung eingepackt. Dieses Grün habe ich heute noch vor Augen, und im Übrigen den Geruch der ausgepackten Bahn noch in der Nase, denn die Welt wird mit Mund und Nase entdeckt.
Ich bin mir sicher, dass mir Spielzeug fehlt. Etwas, was im gleichen Maße wie früher die Sucht erweckt, mit ihm zu spielen und nicht mehr aufzuhören, unabhängig von den anderen, einfach egoistisch spielen. Soll der Rest doch machen was er will. Deswegen wünsche ich mir ja jedes Jahr aufs Neue etwas zum Spielen. Für den PC. Suchtpspiele eben. Bekommen habe ich bisher keines. Ist vielleicht auch besser so, denn ich würde mich wahrscheinlich doch ärgern, wenn Weihnachten vergeht und ich es spielend verpasst hätte: Das Spazieren, das gemütliche Beisammensein, das Speisen, das Trinken, die Musik.
Meine Mutter ist indes der Überzeugung, dass dieses Gefühl erst zurückkehrt, wenn man selbst Kinder hat, zwar nicht so intensiv wie früher, aber doch vergleichbar. Da werden wir jedoch noch ein Weile warten müssen. Denn erst will blu vor Kindern noch einmal richtig verreisen… recht hat sie. Vielleicht ist ja in einer der nächsten Weihnachtsupdates ein Christkind enthalten…

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