Kiffer und Attentäter

von Herr Schwaner am 28.02.2006, in: Res publica

Was haben Haschischkonsumenten und politische Attentäter gemeinsam? Den muslimisch-historischen Kern.


Der Zusammenhang zwischen Beiden geht auf die Geschichte einer schiitischen Geheimgesellschaft, der Ismailiyya, aus dem 11. Jahrhundert zurück. Bereits Marco Polo wußte 1270 in seinen Berichten über die mysthischen Geschichten vom “Alten auf dem Berg” zu berichten, wonach der “Alte vom Berg”, ein in der sunnitischen Glaubengemeinschaft gefürchteter Religionsgelehrter und Aufwiegler, einen paradiesischen Garten anlegen ließ, um junge Männer davon zu überzeugen, dass sie im Paradies angelangt sein.

“[...] Zwischen zwei Bergen hatte er in einem Tal den größten und schönsten Garten der Welt anlegen lassen. Die besten Früchte wuchsen darin, während die Paläste mit goldenen Vogel- und Raubtiermotiven ausgemalt waren. In den Brunnen floss Wasser, Honig und Wein. Die schönsten Jungfrauen und Edelknaben sangen, musizierten und tanzten dort. Der “Alte vom Berg” ließ sie glauben, dies sei das Paradies. Mohammed hat das Paradies ja so beschrieben, [...]” [1]

Je nach Massgabe wurden die jungen Männer zu bestimmten Aufgaben wieder aus dem “Paradies” entfernt und die Wiederkehr ins Paradies sei ihnen nur gestattet gewesen, wenn sie bestimmte Aufgaben, meist politische Morde in den Reihen der Gegner der Geheimgesellschaft (hier: sunnitisches Establishment), erfüllten. Um die Illusion des Eintritts in das Paradies zu vervollkommenen, wurden die jungen Männer vorher oft mit Haschisch betäubt.

Nicht selten wurden die Mitglieder jener Geheimgesellschaft aufgrund diesen Sachverhalts als “Haschaschinen” bezeichnet, als Haschischkonsumenten (arab. “haschaschinen”). Im westlichen Sprachgebrauch finden sie ihre Bezeichnung in den “Assassinen“. Da sich die Geheimgesellschaft gerade durch die Schaffung einer effektiven und länger dauernden Organisation für ihr blutiges Handwerk von anderen, vereinzelt auftretenden politischen Attentaten unterschied, ist die Einbettung des Wortes ‘Assassin‘ (engl. Attentäter) im europäischen Sprachgebrauch nicht wenig verwunderlich. [2]

Die Analogien zwischen islamischen Geheimgesellschaften des Mittelalters und heutigen Terrororganisationen sind interessant nachzulesen in dem 2004 erschienenen Buch von Peter Heine “Terror im Namen Allahs” (Schriftenreihe Bd. 449), was es derzeit bei der Bundeszentrale für politische Bildung zu beziehen gibt. Prädikat: Lesenswert!

[1] vgl. Peter Heine, “Terror in Allahs Namen - Extremistische Kräften im Islam”, Berlin-Bonn, S. 49 ff und Lewis, “Assassinen”, S.22 f
[2] ders. S. 51

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
28. Februar 2006 13:56

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