Bayerisches Drama in x Aufzügen
Das politische Drama um den bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber scheint kein Ende finden zu wollen. Dabei scheint eigentlich gar nicht so klar, wann denn der Mehrakter um den Niedergang des bayrischen Sonnenkönigs Ludwig II. Edmund Stoiber begonnen hat.
Liegt es wirklich an dem gesteigerten Engagement der Fürther Landrätin Gabriele Pauli, die in Medienkreisen gerne als “die schöne Gabi” tituliert wird? Ist der Niedergang von Edmund Stoiber nicht schon früher anzusetzen? Etwa, als er während der Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD nach dem Rücktritt von Franz Müntefering als SPD-Parteivorsitzender die Grätsche machte und als designierter Superminister in Spé wieder kehrt machte und verkündete, er bliebe in München? Genau zu dem Zeitpunkt als sich bereits nachwachsende Kräfte wie Erwin Huber oder Günther Beckstein schon belauerten, wer als erster Anspruch auf den Edmund’schen Stuhl habe? Fakt ist: Rund ein halbes Jahr nach dem Abschuss des “Problembären” Bruno ist der wortgewitzte Erzeuger des Wortes “Problembär” selber zu einem solchen “Schadbären“, “Risikobären“, eben einem “Problembären” geworden — oder wie das Schweizer Fernsehen nach dem Ausscheiden der Deutschen DFB-Elf gegen Italien bemerkten: “Das ist Brunos Rache” — in der Tat.
Ehrlich — mit der Berlin-München-Grätsche hat Edmund Stoiber langjährige Vertraute, die an ihr karrierebedingtes Fortkommen mit dem Weggang ihres Chefs nach Berlin geglaubt hatten, schlichtwegs vergrätzt. Das über kurz oder lang ein Verfahren hinter seinem Rücken in Gang gesetzt wird, bei dem die jüngere Generation der CSU ihre Chancen sehen möchte, hätte dem bayrischen Ministerpräsidenten eigentlich klar sein müssen — wenn er nicht seiner eigenen Hybris erlegen wäre. Weder die Bespitzelungsaffäre um die Landrätin Pauli, die weder ein Watergate noch ein ähnliches Ausmass annimmt — nüchtern betrachtet — noch die Forderung nach einem Spitzenwechsel hätten dem 65-jährigen Schaden können. Geschadet hat er sich just in dem Moment, in dem er auf der Klausurtagung der Landesgruppe der CSU in Wildbad-Kreuth äußerte, keine halben Sachen machen zu wollen und für die volle Legislaturperiode bis 2013 anzutreten.
Scheinbar hat er mit eben jener Selbstüberschätzung seiner Person und seiner politischen Programmatik nicht nur die offene Rebellion in der CSU gegen ihn ausgelöst, das bayrische Wahlvolk scheint von der Idee ihres Landesfürsten auch wenig begeistert. Immerhin wünschen sich 65 Prozent¹ nicht, dass Edmund Stoiber erneut als Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2008 kandidiert.
Eine deutliche Sprache. Die Zeit für einen Wechsel in der CSU scheint gekommen — Günther Beckstein (Jahrgang 1943), Horst Seehofer (Jahrgang 1949) oder Erwin Huber (Jahrgang 1946) wieder als Nachfolger auf dem bayrischen Thron zu setzen, scheint angesichts ähnlicher Geburtsjahrgänge (zum Vgl.: Stoiber Jahrgang 1941)² wenig produktiv.
Die Fraktion wird es am Dienstag entscheiden, ob es sich solidarisch mit ihrem Ministerpräsidenten erklärt oder die offene Rebellion gegen Edmund Stoiber wagt. Die eigentliche Entscheidung über die Nominierung zum Spitzenkandidaten wird voraussichtlich auf dem Parteitag der CSU im September diesen Jahres geklärt werden.
Meine persönliche Einschätzung jeodch zielt auf einen Kompromiss zwischen Präsidium und Fraktion, bzw. den Delegierten im September: Edmund Stoiber als Kandidat für 2008, jedoch beschränkt auf die Hälfte der Legislaturperiode mit gleichzeitigem Aufbau eines Nachfolgers — vorausgesetzt, das politische Barometer kippt nicht noch weiter zu Ungunsten des Amtsinhabers. Mögliche Nachfolger werden höchstwahrscheinlich keine Altgedienten sein.
Dieser Tage sprechen bayrisch:
Robin Haseler, “Stoiber-Showdown, CSU-MSP, BayernSPD usw…”
Mein Parteibuch, “Showdown in Bayern: Gabriele Pauli vs Edmund Stoiber”
Mein Parteibuch, “Liebfrauenunion - Stoiber am Ende?”
Henning Schuerig, “Die CSU und ihre Rebellen - und Stoiber”
SoWhy Not?, “SoWhystradamus Prophezeiungen: Die CSU-Spitzelaffäre 2006”
SoWhy Not?, “Die Freude über Stoiber”
Stefan Niggemeier, “Herr Ramsauer setzt eine klare Überschrift”
Hokeys Blog, “Er frisst die ganze Hand”
Hokeys Blog, “Stoiberdämmerung”
The Fellow Passenger, “Putsch gegen den bayerischen König vereitelt”
Quellen, Hinweise, Tags
¹ vgl. FAZ.net, Infografik zu “Bayerische SPD dringt auf Neuwahlen“, 15.1.2007
² vgl. Wikipedia.de: Huber, Beckstein, Seehofer
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1 Kommentar
Stoiber-Showdown, CSU-MSP, BayernSPD usw……
Ein kurzes, leicht gehässiges Lächeln konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Schadenfreude ist ja angeblich angebohren oder so. Deshalb habe ich mit Genuß die Demontage von Edmund Stoiber verfolgt. Aber inzwischen sehe ich seine Chancen wieder s…
