Demo gegen Mindestlöhne?
Wer ist so blöd und demonstriert gegen Mindestlöhne? Möchte man meinen und stellt sich vor dem geistigen Auge einen geschlippsten Auflauf von Managern und Arbeitgebern vor. Doch es ist anders. Ein Beispiel:
Es existiert ein Monopol auf die Briefzustellung. Dieses Monopol wird nun zu Beginn des neuen Jahres unter der Bedingung von sozialvertäglichen Tarifstrukturen durch die Politik aufgelöst, so dass private Unternehmen in diesen Sektor einsteigen können. Nun sind die Privatunternehmer jedoch der Meinung, dass die Bedingungen zu hart sind und gerade der in den Bedingungen festgelegte Lohn von 9,80 Euro pro Stunde zu hoch ist. Was also bleibt zu tun, wenn die einzige Möglichkeit den Mindestlohn zu verhindern, einen breiter Abschluss über Löhne zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen zu erzielen? Als Unternehmer sorge ich dafür, dass sich eine Gewerkschaft gründet, die mit Funktionären besetzt wird, die mit meinem Geld bezahlt werden. Und weil ich schließlich Arbeitgeber bin sorge ich für genügend Druck über die Arbeitslosigkeit, damit auch genügend meiner Angestellten in die von mir gelenkte Gewerkschaft eintreten. Sind genügend Angestellte in meiner Gewerkschaft zusammengefasst, tritt die Gewerkschaft, die meine Interessen als Arbeitgeber vertritt, in Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite, also auch mit mir. Schließlich gilt es, so niedrige Löhne wie möglich auszuhandeln, die dann nach dem Entsendegesetz für die gesamte Branche der Postdienstleister gelten. Und wenn die Gewerkschaft von mir bezahlt wird, dann werden die Verhandlungen um einen Mindestlohn in der Branche nicht all zu heftig ausfallen. Das fällt keinem auf, schließlich kann ich ja die Öffentlichkeit gekonnt täuschen. Schließlich habe ich genügend verängstigte Angestellte, die bereitwillig in jede Kamera sagen, dass sie mit einem Lohn von fünf Euro pro Stunde zufrieden sind.
Das ist überspitzt? Das geht doch gar nicht?
Der lobenswerte Bericht von “Report aus Mainz” zeichnet leider eine noch viel düstere Realität in der Postdienstleistungsbranche der vergangenen Wochen.
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