Wir färben uns einen Politiker
Na, liebe BamS? Genug auf das Waisenkind masturbiert? Diese Anbiederung ist nicht mehr zu ertragen…
Was soll von einem Menschen zu erwarten sein, der bis zu seinem 36. Lebensjahr
ein Medizinstudium abgeschlossen hat,
einen Doktortitel in Medizin führt,
seit 2003 als Abgeordneter im niedersächsischen Abgeordnetenhauses sitzt,
vor rund sechs Jahren Fraktionschef der FDP in Niedersachsen wurde,
seit knapp 4 Jahren Landsvorsitzender der FDP in Niedersachsen ist,
seit einem Jahr Witschaftsminister im Kabinett Wulff (Niedersachsen) arbeitet,
zwei kleine Kinder (12 Monate) zu Hause hat
und nun Bundesgesundheitsminister wird?
Schon mal versucht, zu studieren und gleichzeitig einen normalen Nebenjob zu führen, um eine Wohnung und den Lebensunterhalt zu bezahlen? Oder so: Schonmal versucht, eine politische Karriere nur auf Kreisebene zu beginnen und gleichzeitig zu studieren, abzuschließen und den Doktor zu machen? Schon mal versucht, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen und es allen, vor allen aber den Kindern recht zu machen?
Durch Leistung sozialisierte Gemüter, die gerne den kausalen Zusammenhang zwischen Karriere und sozialer Kälte — und umgekehrt — nicht sehen wollen, weil sie selbst alle anderen Menschen gerne an ihrer eigenen Lebensleistung zu messen versuchen, können sich gerne echauffieren und sagen: Der Herr Schwaner, der ist doch nur neidisch. Doch das kann ich ruhigen Gewissens verneinen. Ich gönne Herrn Rösler seine Karriere. Wer viel schuftet, soll es auch besser haben — im Übrigen ein Standpunkt, der mich von den Linken mit ihrer Forderung “Reichtum für alle” fernhält.
Was ich jedoch nicht leiden kann, ist das Schönfärben von Lebensläufen. Das entspricht dem “Greenwashing” von Firmen, die nun ein ökologisches Saubermannimage pflegen, während sie denselben Dreck produzieren, wie vor der PR-Kampagne. Stehen wir doch bitte dazu: Schwarz ist Schwarz und Weiß ist Weiß — keine Grauskalen dazwischen. Nicht jede Karriere ist sozialtauglich für das Umfeld. Wer lieber sechzehn Stunden am Tag arbeitet, als bei geliebten Menschen zu sein und dafür das Ansehen und das Gehalt als Kompensation vorzieht, hat in meinen Augen soziale Defizite, zu denen er auch stehen sollte. In den seltensten Fällen waren Himmelstürmer, die ich im Laufe meiner fünfunddreißig Jahre auf diesem Erdenrund kennenlernen durfte, umweht von sozialer Wärme. Oftmals schien es mir, als wären sie alle vom normal strampelndem Fußvolk des Lebens unglaublich gelangweilt.
In der Tat: Es sind alles Leistungsträger der Gesellschaft, die nun in der Regierung sitzen, sie sind gut ausgebildet und erfolgreich in ihrer Karriere. Sie blicken stolz auf steile Laufbahnen zurück und jeder von ihnen wird sich das nötige Fachwissen für sein Ministerposten aneignen, der eine besser, der andere schlechter. Doch in puncto Menschlichkeit, Verständnis und sozialer Wärme spreche ich ihnen jegliche Kompetenz ab.
Je kälter das soziale Klima einer Regierung ist, desto wärmer dürfen sich all jene anziehen, die eh schon einen eher kleinen Kleiderschrank besitzen.

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