Datenkrake Grundschule
Ich finde es ja vollkommen albern: Die Datenschützer in Schleswig-Holstein machen Front gegen sogenannte Socialplugins, weil man, sofern - und sei es nur im Hintergrund - eingeloggt ist, seinem Social Network Anbieter mitteilt, auf welchen Seiten man surft, wenn nur ein Socialplugin des eigenen Anbieters auf einer Webseite angezeigt wird.
Im vergangenen Jahr vergrätzten politische Hinterbänkler im Sommerloch Google Streetview, weil die Digitalisierung von Straßenfluchten ja so in die Privatsphäre eingreift, dass alle, die ihr Haus nicht verpixeln ließen, heute ja beim Nasepopeln, Nacktbaden und dem Geschlechtsakt über das Internet gefilmt werden. 24 Stunden live und in Farbe. Quasi mit dem Sateliten von oben durch die Decke. Mit Infrarot. Und Röntgen. Google Streetview eben.
Überhaupt Google, die alte Datenkrake. Über Microsofts Sammelwut regt sich heute schon kein Mensch mehr auf. Oder die Verkehrsbehörde. Die, mit den netten Punkten in Flensburg. Einfach Fotos machen.
Wer regt sich aber darüber auf, dass das Amt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten so mir nichts, dir nichts, einfach die Daten meines Erstgeborenen auf Anfrage an freie Schulen weitergibt, ohne dass wir als Eltern JEMALS die Genehmigung erteilt haben, dass Personenbezogene Daten meines noch unmündigen Sohnes zu irgendeinem Zweck weitergegeben werden und sei der Zweck auch noch so edel?
Freie Schulen, die nicht einmal in der Nähe unseres Wohnortes liegen und mit der Angabe der Spendenkontoverbindung bei der Bank für Sozialwirtschaft auch nicht sonderlich ritterlich edel wirken.
Nun werde ich erst einmal Gebrauch von meinen Rechten aus dem Bundesdatenschutzgesetz in Anspruch nehmen und alle Beteiligten zur Auskunft über die von meinem Sohn gespeicherten Daten zwingen, notfalls mit dem Rechtsanwalt. Danach werde ich es mir nicht nehmen lassen, alle mich anschreibenden Schulen dazu zu bringen, alle personenbezogenen Daten, die sie über meinen Sohn gespeichert haben, wieder zu löschen. Und letzten Endes werde ich den Berliner Datenschutzbeauftragten zu diesem Thema interviewen.
Nicht, weil ich die Daten meiner Söhne so dringend schützen möchte. Nicht, weil ich es als unangenehm empfinde, wenn Schulen uns anschreiben und uns über Informationsabende vor dem kommenden Schuljahr informieren wollen. Mitnichten. Sondern nur, weil mir die Bigotterie der politischen Führungsebenen mit ihren Ablenkungsmanövern, was die eigene Datensammelwut angeht, gewaltig auf den Keks geht. Wer stets nur im großen medialen Stil auf den Datenpools der Privatwirtschaft herumhackt, hintenrum aber Daten ungefragt sammelt, verschiebt und weitergibt, sollte ganz schnell anfangen, den Dreck bei sich zu kehren. Ganz schnell.
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2 Kommentare
[...] ich es erst neulich von Grundschulen und Datenschutz hatte: Für uns Eltern beginnt ja nun der Horror, die richtige Grundschule für Paul zu finden. Das [...]

oh ja - wir sind beim Ummelden zufällig auf ein Formular namens “Datenübermittlungsverbot” gestoßen. Da kann man dann alles oder bestimmte “Personen”-Kreise (Marktforschung, Telefonbuchverlage, Parteien,…) ausschließen, denen keine Daten übermittelt werden dürfen.
Ich fände es auch fairer - und ehrlicher, wenn man der Übermittlung zustimmen und nicht explizit widersprechen müsste………
Ich bin gespannt, was Ihr für Rückmeldungen bekommt!