Diskutieren

von Herr Schwaner am 30.05.2012

Warum setzen sich Menschen eigentlich zusammen und diskutieren? Hand auf’s Herz: Wer hat sich durch die Meinung eines anderen Menschen schon mal wirklich von seiner eigenen, fundierten Meinung abbringen lassen? Was ist daran so wichtig, dass Menschen sich gegenüber hinsetzen und leidenschaftlich streiten, wenn am Ende doch jeder auf seiner Meinung beharrt?

Warum soll ich mich zum Beispiel mit Impfgegnern hinsetzen und ihnen argumentativ nahebringen, warum Impfen wichtig ist, während sie mir genauso argumentativ belegen, dass es beim Impfen unkalkulierbare Risiken gibt? Jeder kramt Studien heraus, die die eigene Position stärken bzw. die gegnerische schwächen sollen und am Ende ist man nur erschöpft und schlecht gelaunt. Weil man keinen Sieg erringen kann. Patt. Remis. Wie auch immer. Gegen eine Wand rennen.

Warum mit gottesfürchtigen Menschen über den Sinn und Unsinn von Religion reden? Deren Kosmos ist mir fremd, umgekehrt meiner ihnen. Warum über Freigabe von weichen Drogen mit konservativen Kräften diskutieren? Warum über Lungenkrebs mit Zigarettenherstellern? Warum über Homosexualität mit Homophoben? Warum als PC-Nerd mit Apple-Geeks streiten? Warum als Mann über Feminismus? Warum, warum, warum?

Ich bin so müde.

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
30. Mai 2012 8:04

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3 Kommentare


Judy says:

Verdammt gute Frage…

Thinkabout says:

Wenn Du so weiter fragst, hören wir am Ende noch mit dem Bloggen auf…
Ja - was bewegt er eigentlich, der Austausch von Meinungen, der so oft gar keiner ist? Denn genau darin läge wohl der tiefere Sinn:
Wenn wir unsere Argumente ausbreiten, dann geben wir unsere Position tatsächlich kaum je auf. Und dennoch testen wir sie immerzu. Und irgendwann, das hast Du bestimmt schon erlebt, nimmt jemand tatsächlich eine neue Position ein - und mancher ist überrascht. Die Person vielleicht selbst auch.

Wir streiten, diskutieren und argumentieren am Ende immer für uns selbst. Und daran ist nichts falsch, zumal die innere Regel immer gilt: Wirklich profitieren können wir selbst, wenn wir auch zuhören, und, tatsächlich, uns und unsere Position testen lassen.

“Und irgendwann, das hast Du bestimmt schon erlebt, nimmt jemand tatsächlich eine neue Position ein”

Das ist im Grunde genommen erschreckend selten. Gerade in Fragen, die zur eigenen Sozialisation gehören, lässt es sich vortrefflich streiten. Aber eben nur streiten, denn dazu müsste man sich auf den Kosmos eines jeweils anderen einlassen und ihn VERSTEHEN. Bei vielen Themen ist dies schier unmöglich.

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