Eingeschult.

von Herr Schwaner am 13.08.2012

Während sich andere Kinder in der Republik noch in der Sonne (!) ahlen, geht es in Berlin schon wieder mit der Schule los. Für uns hieß das: Einschulung. Am vergangenen Wochenende war es nach einer letzten Woche Ferien mit Paul alleine, sein Bruder Oskar ging bereits wieder in die Kita, nun vorbei mit nicht enden wollendem Gehibbel und Gezappel - schließlich freute sich Paul auf die Schule. Kurzum: Er war heiß!

Nachdem es nun doch mit der Erstwunschschule geklappt hatte, schnürten wir zur frühen Einschulung um 9 Uhr am Samstag den Ranzen und stürmten mit Omas und Opas im Gepäck in die Schule. Paul mit Kribbeln im Bauch, weil für ihn ein neuer, unbekannter Lebensabschnitt beginnen sollte, Rieke und ich mit Kribbeln im Bauch, weil unser "kleiner" Paul nun kein Kleiner mehr war und weil wir uns nur allzu gut an unsere Schulzeit erinnern konnten, und Oskar mit Kribbeln im Bauch, weil er nicht gegessen hatte und er gar nicht im Mittelpunkt stand. Für jeden also etwas.

In der festlich geschmückten Turnhalle alles so, wie man es selbst noch von sich selber kannte. Die Bühne war geschmückt, vor der Bühne standen die Turnbänke für die Einschüler, dahinter die zahlreichen Stühle für Eltern, Omas und Opas, Onkel und Tanten, Verwandte und Bekannte. Wir hatten das Glück, uns die besten Plätze aussuchen zu können (der frühe Vogel, ne?). Paul saß auf einer Turnbank direkt vor uns, wir dahinter in der ersten Reihe - so wie von Paul gewünscht. Und dann hieß es warten auf den Beginn der Einschulung.

Die Halle füllte sich und endlich konnte es losgehen. Die Direktorin trat hervor, begrüßte als erstes die ABC-Schützen auf den Turnbänken, sagte etwas wie "Noch seid ihr keine Schüler dieser Schule, aber gleich, wenn ihr zum ersten Mal in Euer Klassenzimmer geht, dann gehört ihr zu uns", und rief dann den Chor aus Kindern der höheren Klassen zu sich, der die kleinen Großen musikalisch begrüßte: "Guten Morgen", "Good Morning" - in allen Sprachen durch.

Grund genug für Oskar sich die Ohren fortan zuzuhalten und auf mir herumzurutschen.

Nach dem Singen spielten jede Menge Kinder unseren Erstklässlern ein Theaterstück vor, in dem die Erstklässlerin Marie den Ernst des Lebens sucht, der ja schließlich in der Schule sei. Bis sie schließlich feststellt, dass Ernst der Schüler neben ihr in der Bank ist und sehr nett ist. Großes Gelächter, auch Paul kicherte vor Vergnügen. Nur Oskar hielt sich behende die Hände vor die Ohren und rutschte genervt auf mir herum.

Schließlich kam der Ernst des Lebens: Das Aufrufen der Kinder zu den zugehörigen Klassen, entschuldigung, Lerngruppen. Dazu wurden die Lehrerinnen und Hortnerinnen der jeweiligen Gruppen vorgestellt, eine jedes Paar stellte sich auf, die Direktorin begann die Namen nach Lerngruppen zu verlesen. Ganz am Ende der ersten Lerngruppe wurde Pauls Name aufgerufen und er stand auf, schnallte seinen Ranzen um, winkte uns kurz zu und stellte sich zu seiner neuen Klasse und seiner Lehrerin.

Spätestens in diesem Moment waren Rieke und ich sehr nah am Wasser gebaut - da stand er nun, unser kleiner Paul, so groß, nicht mehr klein. Während er sich freute, saßen wir und wußten gar nicht, was wir zuerst fühlen sollten: Stolz, Traurigkeit, Freude - von allem etwas. Zum Glück gab es Oskar, der sich die Ohren zuhielt und an dem wir uns reiben konnten.

"So, und nun liebe Eltern", rief die Direktorin, "verabschieden Sie nun bitte ihre Kinder in ihre erste Unterrichtsstunde". Da brauste der Applaus auf und die Eltern standen auf und johlten und klatschten, schon alleine um sich ihren Gefühlen Luft zu machen. Unter diesem tosenden Applaus gingen die Klassen mit ihren Lehrerinnen zusammen aus der Turnhalle heraus und gingen in ihre Klassenräume im gegenüberliegenden Schulhaus. Grund genug für Oskar seiner Wut darüber, dass er solange sitzen musste und überhaupt gar nicht im Mittelpunkt stand, sondern sein doofer Bruder, Luft zu machen.

Ich eilte derweil nach Hause, um die Zuckertüten (ja, Mehrzahl) zu holen: Die gigantische Zuckertüte für Paul und die kleinere Tüte für Oskar (der noch nichts wusste und sie eigentlich auch gar nicht verdient hätte). Währenddessen erzählte die Direktorin allerlei Organisatorisches für den alltäglichen Schulbetrieb.

Als ich mit den Zuckertüten beladen wieder im Hof der Schule ankam, strömten die Eltern, die Bekannten und Verwandten gerade wieder aus der Turnhalle, um ihre Sprößlinge, wenn sie denn nach ihrer ersten Unterrichtsstunde aus dem Gebäude kommen sollten, wieder zu empfangen. Wir mussten ein wenig warten, Oskar hüpfte derweil auf dem Spielplatz des Hofes herum, probierte Klettergerüst, Hängematte und Rutsche aus und stellte allerlei Blödsinn an.

Die Zeit wolle nicht vergehen. Endlich öffnete sich die Tür zum Treppenhaus des Schulgebäudes und die ersten Klassen traten wieder hervor und die Kinder stürmten auf ihre Eltern zu - nicht weil sie sie so lieb hatten, sondern weil die vielen, vielen Zuckertüten über den ganzen Hof leuchteten. Auch Paul kam die Treppe herunter, sah glücklich aus, sah uns, dann die gigantische Zuckertüte und endlich durfte er ausflippen. Selbst Oskar, der erst die Größenuntschiede zwischen seiner und Pauls Tüte kritisch musterte (Neidhammel), war zufrieden, als er die ersten Kaubonbons aus seiner Tüte kramte und verschlang.

Paul war nicht zu halten, er plapperte los: Wo er sitzt, wer neben ihm sitzt, dass sein Kindergartenfreund, der bereits letztes Jahr eingeschult wurde, sein Pate ist und neben ihm sitzt (ja, liebe LeserInnen, JüL - jahrgangsübergreifendes Lernen), dass er schon Schulbücher bekommen hat undundund.

Als wir dann nach dem obligatorischen Fotoshooting mit Schultüte und Papa, mit Mama, mit Mama und Papa, mit Oma und Opa, wieder nach Hause liefen, sagte Paul noch: "Schade, dass wir heute noch nicht gerechnet haben!"

Also von wem er das hat…

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
13. August 2012 8:34

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