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Liebe Eltern, …

von Herr Schwaner am 14.06.2012

Liebe Eltern von Kindern der Klassenstufen 1 bis 3, Hand auf’s Herz: Vokuhila, ehrlich jetzt?

Ich meine, ich kann diese impertinenten Elternbestimmer-Wilden-Kerle-Jungs mit ihren Frisuren schon nicht leiden, aber jetzt wieder Vokuhila-Kids? Mit Pennermatte hinten? Und vorne kurzem Pony? Die Frisur, mit der man 100%-ig kein Date bekommen hat zu der Zeit, als die Eltern dieser Kids jung waren? Wo man nicht mal angeguckt wurde von den Mädchen mit Dauerwelle?

Wie scheiße geht’s denn?

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“Öziln”

von Herr Schwaner am 11.06.2012

Seit der Geburt von Paul im Jahr 2006 sind nun etliche Fußballgroßereignisse ins Land gegangen, seit der WM 2010 in Südafrika ist Paul begeisterter Fußballfan - öhem- von, sagen wir mal, herausragenden Fußballpersönlichkeiten, ohne dass er wirklich Ahnung von Fußball, den Regeln oder den Mannschaften hat. Oder sonstiges fussballerisches Interesse besitzt, während es ja auch Kinder in seinem Alter gibt, die sich auf dem Bolzplatz beim Auftauchen eines Balles schier zerreißen.

Immerhin ist "Özil" der für ihn wichtigste Spieler und Paul erkennt ihn ohne jede Mühe. Auch wenn er nicht weiß, warum Özil so wichtig sein könnte. Vielleicht weil er seit der WM 2010 eine Sammelkarte von ihm in seinem Südafrika-Sammelalbum kleben hat. Für die EM in Polen und der Ukraine sucht er jedenfalls noch eine aktuelle REWE-Sammelkarte von Ösil, denn da stünde gewiss die Telefonnummer von Özil drauf und er müsste ihn doch mal anrufen - sagt Paul, der sonst gar nicht telefoniert.

Auch ansonsten ist Paul zur EM 2012 eher angetan von Fußball und schon im Vorfeld löcherte er uns, er bräuche unbedingt alles von "Deutschland": T-Shirt, Sporthose, Schuhe, Bemalung, T-Shirt, Kappe, Fahne, Fahne für’s Auto, T-Shirt, Socken T-Shirt und sagte ich schon T-Shirt?

Sein kleinerer Bruder Oskar ist davon natürlich angetan und fiebert seinem Bruder nach. Auch er braucht alles! Und "Öziln" - wie Oskar den Wunderspieler nennt - ist natürlich sein liebster Spieler. Auch wenn Oskar noch viel weniger mit Fussball anfangen kann als Paul. So springt Junior durch die Wohnung und brüllt "Ich bin Öziln!".

Aber keiner von beiden spielt Fußball und gerät beim Anblick eines Balles in Ekstase. Was erst werden die Kinder sagen, wenn sie mal bis zum spätend Abend mit zur Fussballfanmeile mit rund 400.000 schwarz-rot-goldenen Fans dürfen?

4 Wochen Ausnahmezustand! Auf geht’s!

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Diskutieren

von Herr Schwaner am 30.05.2012

Warum setzen sich Menschen eigentlich zusammen und diskutieren? Hand auf’s Herz: Wer hat sich durch die Meinung eines anderen Menschen schon mal wirklich von seiner eigenen, fundierten Meinung abbringen lassen? Was ist daran so wichtig, dass Menschen sich gegenüber hinsetzen und leidenschaftlich streiten, wenn am Ende doch jeder auf seiner Meinung beharrt?

Warum soll ich mich zum Beispiel mit Impfgegnern hinsetzen und ihnen argumentativ nahebringen, warum Impfen wichtig ist, während sie mir genauso argumentativ belegen, dass es beim Impfen unkalkulierbare Risiken gibt? Jeder kramt Studien heraus, die die eigene Position stärken bzw. die gegnerische schwächen sollen und am Ende ist man nur erschöpft und schlecht gelaunt. Weil man keinen Sieg erringen kann. Patt. Remis. Wie auch immer. Gegen eine Wand rennen.

Warum mit gottesfürchtigen Menschen über den Sinn und Unsinn von Religion reden? Deren Kosmos ist mir fremd, umgekehrt meiner ihnen. Warum über Freigabe von weichen Drogen mit konservativen Kräften diskutieren? Warum über Lungenkrebs mit Zigarettenherstellern? Warum über Homosexualität mit Homophoben? Warum als PC-Nerd mit Apple-Geeks streiten? Warum als Mann über Feminismus? Warum, warum, warum?

Ich bin so müde.

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Ich nehme alles zurück…

von Frau Rieke am 29.05.2012

…und behaupte das Gegenteil.

Eben rief die Erstwunsch-Schule an, an der wir ja leider keinen Platz bekommen hatten. Nun ist wohl ein Platz frei geworden (hö?) und wenn wir wollen, kann Paul doch auf die Arkonaschule! Schnappatmung meinerseits, Rücksprache mit dem Gatten, Zusage bei der Schule. Nun also doch. Und gleich heute Abend der erste (naja für uns der zweite erste) Elternabend.

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MAMA ♥

von Frau Rieke am 29.05.2012

Paul malt ab und an sehr gerne. Neulich bei seiner Uroma, meiner Oma, hat er mir dieses Bild gemalt

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Muttern freut sich! Sonne, Blumen, in der Mitte ein Herz (bevor er nachgebessert hat) Letzte Woche meinte er dann mir wieder einen Liebesbeweis malen zu wollen

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"Damit beschütze ich Euch alle", sagte er. Aha. Schön, ein Panzer. Mit Herz :) Ach Paule :)

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Wir erwarten Nachwuchs!

von Frau Rieke am 28.05.2012

Im Hause Schwaner steht Nachwuchs an. Wahrscheinlich sogar Mehrlinge, aber da sind wir uns noch nicht sicher…

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Sonntags: Kuchen

von Frau Rieke am 27.05.2012

Komisch, aber am Wochenende habe ich/haben wir immer Lust auf Kuchen. Als wäre man darauf gepolt: Sonntag = Kuchen. Sicher, auch zwischendurch packt mich der Hieper, aber am Wochenende ganz besonders. Heute dann Kirschwähe

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Spracherziehung

von Herr Schwaner am 25.05.2012

Paul sitzt im Arbeitszimmer am Schreibtisch, sieht seine Fußballkarte mit "Paule", dem DFB-Maskottchen, an und überlegt, greift dann zu einem Stift und schreibt: "Paule".

"Was kannst Du denn noch alles schreiben?" fragt Mama.
"Paul, Papa, Peer, Henry", dann hält er inne und überlegt, "nee, Henry noch nicht."

Schließlich fügt Paul hinzu, als wäre es das Normalste auf der Welt:
"Mama? Wir schreibt man Arsch?"
"Das sage ich Dir bestimmt nicht, das musst Du noch nicht wissen", lacht Mama.
Paul winkt ab.
"Ach, ich weiß schon: Ein ‘A’ und dann ‘Sch’…"

Toll. Letzten Endes hat Paul auf "Arsch" verzichtet und stattdessen lieber "Po" geschrieben (siehe Bild). Wenigstens was :)

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Der südthüringische Einschlag

von Herr Schwaner am 15.05.2012

Wir sind ja quasi eine deutsch-deutsche Familie, wie es noch in den 80er Jahren geheißen hat, Frau Rieke kommt aus Thüringen, meine Person aus West-Berlin (Kesseldeutscher, wie ich kürzlich hörte). Da wir beide relativ dialektfrei reden, erlernten die Kinder bisher recht normales Hochdeutsch, nur der ortsfremde wird den Einschlag ins Berlinische bemerken, wie beispielsweise Oma Ina, die sich stets auf die Berliner Schnauze von Paul und Oskar freut. Wir hören das allerdings nicht.

Während vor allen Dingen Paul in letzter Zeit immer mehr "berlinert", also bestimmte Aussprachen von Wörtern verwendet, wie sie es in Berlin nun mal tun, erstaunte uns neulich beim Autofahren Oskar, als er seine Mama kritisierte, die dicht hinter einem "Stoppeldockbus" an der Ampel stand, und sagte: "Mama, fährst ja dem Bus hinten ‘nei."

Hinten ‘nei - Da war er wieder, der nicht zu leugnende Einschlag von Riekes Dialekt, den sie eigentlich nicht spricht, aber dann und wann in einigen Worten oder Ausrufen unbewusst auftischt. Selbst wenn wir Erwachsenen es nicht hören, weil wir vielleicht daran gewöhnt sind und es uns nicht mehr auffällt, die Kinder hören die Unterschiede und saugen sie ganz intuitiv auf, bis sie uns plötzlich, wie in diesem Fall, mit ihrer bunten Viefalt an Sprache überraschen.

In diesem Sinne: Juten Abend…

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Den Kaiser ausstopfen…

von Herr Schwaner am 09.05.2012

Wie in Kindern verschwurbelte Ideen entstehen, kann man am besten bei Skurilitäten aus dem Alltag entdecken. Wie wenn zum Beispiel Filius Oskar flugs am Esstisch zur Frühstückszeit die Frage stellt: "Wie werden Menschen ausgestopft?"


Foto: Simone Guski, lizensiert über die Creative Commons Namensnennung-Weitergabe v3.0

Was soll man da entgegnen? Logisch: "Menschen werden doch gar nicht ausgestopft!" Aber wie entgegnet man dann der prompt nachfolgenden Frage: "Aber wie wurde dann der Kaiser ausgestopft?" und erst jetzt, wirklich erst jetzt, entsteht der Zusammenhang langsam im Kopf, wie Filius Oskar überhaupt auf die Idee kommt, dass Menschen bzw. Kaiser ausgestopft werden.

Zum Verständnis: Oskar und Paul waren vor kurzem mit Oma und Opa im Berliner Zoo. Besonders angetan hat es zumindest Oskar eine Statue des unlängst verstorbenen Gorilla-Männchens "Bobby" unweit des Affenhauses, dem Wahrzeichen des Berliner Zoos. Diese Statute ist ein Abbild des ausgestopften Originals, dass wiederum im Berliner Naturkundemuseum steht. Der geneigte Leser begreift die Kausalkette so langsam :)

Doch wie nun kommt es zu Affe => Kaiser => Mensch? Für Oskar logisch: Bei unserem Wanderausflug vom Bahnhof Nikolasse zum Grunewaldturm endete der Tagesmarsch natürlich mit einer Besteigung des Grunewaldturmes, der, nebenbei bemerkt, eine wunderschöne Aussicht auf den Großen Wannsee und den Berliner Grunewald im Südwesten der Stadt bietet. Der Grunewaldturm wurde 1897 vom Landkreis Teltow zum Gedenken an Kaiser Wilhelm I. erbaut und wie das so ist, wenn man gedenken soll, steht in einer Ehrenhalle im Fuß des Turmes eine Statue von Kaiser Wilhelm I. in voller Größe und mit’m Bart, mit’m Bart, mit’m Bart (für Freunde des Gassenhauers).


Foto: Rudi Steffens, lizensiert über die Creative Commons Namensnennung-Weitergabe v3.0

Na, dämmert es?

Wenn im Berliner Zoo eine Statue steht, die vom ausgestopften Original angefertigt wurde, dann himmelherrggotnocheins muss es doch vom Kaiser auch eine originale Ausstopfung geben und wenn der Kaiser schon irgendwo ausgestopft ist, dann müssen doch Menschen also auch ausgestopft werden. Ganz natürlich, versteht sich.

Gegen solch eine lückenlose Argumentationskette eines Vierjährigen sag noch mal was… keine Chance.